Erste Zwischenergebnisse der HAROW-Studie
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Erste Zwischenergebnisse der HAROW-Studie

HAROW rekrutierte bis Ende Oktober 2009 mehr als 1000 Männer mit neu diagnostiziertem Prostatakarzinom. Mittlerweile liegen die Ergebnisse einer ersten Zwischenauswertung vor.

HAROW ist eine nicht-interventionelle prospektive Versorgungsstudie, d.h. sie beobachtet und dokumentiert unter Alltagsbedingungen, ohne Einfluss auf die Art und Ausführung der Behandlung zu nehmen. In erster Linie sind die niedergelassenen Urologen und ihre Patienten angesprochen. Ergebnisse der sogenannten ärztlichen Routine bzw. des Versorgungsalltags werden erfasst und ausgewertet. Im Gegensatz zu klassischen klinischen Studien werden bei HAROW auch von den Patienten selbst berichtete Angaben (Patient-Reported Outcomes, PROs) erhoben. Dazu zählen insbesondere die Lebensqualität der Betroffenen, ihr Krankheitserleben und die Arzt-Patient-Beziehung. Im Idealfall können die HAROW-Daten als Grundlage für neu ausgerichtete ärztliche Empfehlungen (Leitlinie) und für versorgungspolitische Richtlinien dienen. Ein weiteres wichtiges Studienziel ist die umfassende Erhebung aller mit der Erkrankung verbundenen Kosten.
Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Dr. med. Lothar Weißbach, ein wissenschaftlicher Beirat begleitet die Studie.
Finanziell unterstützt wird HAROW von Gazprom Germania. Das Unternehmen fördert somit nicht nur Sport und Kultur, sondern erstmalig auch ein medizinisches Projekt.

Erste Zwischenergebnisse

Die Daten von 547 bis zum 12.03.09 gemeldeten Teilnehmer sind in eine erste Zwischenauswertung eingegangen. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 67,5 Jahre, die meisten von ihnen hatten bei Studienbeginn 1-2 Begleiterkrankungen, am häufigsten Diabetes mellitus. Im Bezug auf die Komorbidität kann die HAROW-Kohorte somit als repräsentativ für ihre Altersgruppe angesehen werden.
Die häufigste Tumorkategorie war mit 42% T1c (entspricht Tumoren, die nur durch Nadelbiopsie nachweisbar sind).
Der so genannte Gleason-Score ist ein Maß für die Zelldifferenzierung. Er reicht von 5 bis 10. Je höher der Gleason-Score, umso schneller wachsend und aggressiver werden die Tumoren eingeschätzt. Über die Hälfte der HAROW Patienten hatte einen Gleason Score ≤ 6, 17% einen von 7a, je 6% einen von 7b und 8-10.
Der mittlere PSA-Wert betrug bei Studieneinschluss 10,0 ng/ml, wobei die meisten Patienten (51%) im Bereich von 4-10 ng/ml lagen. 5% der Patienten hatten einen Wert über 20 ng/ml.
Bei der aus diesen Parametern abgeleiteten Risikostratifizierung gehörten 61% der Teilnehmer in die so genannte Low-Risk-Kategorie, die durch eine hervorragende Prognose charakterisiert ist: Bei Patienten mit einem Tumor dieser Risikogruppe ist über lange Zeit keine klinisch relevante Progression zu erwarten.

Behandlung

Die Entscheidung für eine Operation oder Bestrahlung fiel im Mittel nach 30 Tagen. 47% entschieden sich für eine Operation (RP), 9% für AS und je 7% für eine Bestrahlung, eine Hormontherapie oder eine kombinierte Behandlung (s. Abbildung).
Bestrahlungspatienten sind im Schnitt 5 Jahre, solche mit einer Hormontherapie 10 Jahre älter als operierte Patienten.

Zoom (50KB)

Patientenzufriedenheit

Stellvertretend für den Bereich der Patient-Reported Outcomes sollen zwei Beispiele aus den Kategorien „Patientenzufriedenheit, Empathie“ vorgestellt werden. Auf die Frage, ob der Arzt dem Patienten alles verständlich erklärt hat, antworten 81% „trifft voll und ganz zu“ und weitere 16% „trifft weitgehend zu“. Die Patienten waren mit den fachlichen Erläuterungen offenbar in hohem Maße zufrieden. Bei der Frage, ob der Arzt geholfen hat mit der Krankheit umzugehen, antworteten 65% mit „trifft voll und ganz zu“ und weitere 25% „trifft weitgehend zu“. Auch hier fand sich eine hohe Zustimmung. Die Antwort deutet aber auch auf Erwartung an den Urologen, umfassender im Umgang mit der Erkrankung unterstützt zu werden. Empfehlungen zum Lebensstil (Ernährung, Entspannung, Sport bei Prostatakrebs) könnten geeignet sein, den Mangel auszugleichen.

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